Der Dezember ist voll. Weihnachtsfeiern, Geschenke, Jahresabschluss im Job, und im Kopf laufen noch die offenen Baustellen der letzten Monate mit. Viele wollen in den Rauhnächten neue Wünsche für das kommende Jahr formulieren und merken dann: Das alte Jahr hängt noch nach. Genau hier setzen die Sperrnächte an.
In den zwölf Nächten vor der Wintersonnenwende schaust du jeden Abend auf einen Monat des vergangenen Jahres zurück. Was war gut, was darf gehen, was ist noch offen? So gehst du mit leichterem Gepäck in die Rauhnächte. Hier findest du die Termine 2026, den Unterschied zu den Rauhnächten und eine einfache Anleitung für jeden Abend.
Kurz & knapp: Sperrnächte 2026
- Wann: Nach der verbreitetsten Zählweise vom 8. bis 19. Dezember 2026, also zwölf Nächte vor der Thomasnacht (20./21.12.) und der Wintersonnenwende am 21. Dezember. Manche zählen bis zum 20. oder 21. Dezember, andere vom 13. bis 24. Dezember.
- Was: Zwölf Abende Rückblick. Jede Nacht steht für einen Monat des vergangenen Jahres, von Januar bis Dezember.
- Unterschied zu den Rauhnächten: Die Sperrnächte schauen zurück und schließen ab. Die Rauhnächte ab dem 24. Dezember schauen nach vorn auf das neue Jahr.
- Aufwand: 10 bis 15 Minuten pro Abend.
Was sind die Sperrnächte?
Die Sperrnächte sind die zwölf Nächte im Advent, in denen du das alte Jahr Monat für Monat durchgehst und bewusst abschließt. Der Gedanke dahinter: Bevor du in den Rauhnächten Neues einlädst, räumst du auf. Gefühlt, gedanklich und manchmal auch ganz praktisch in der Wohnung oder im Postfach.
Die Sperrnächte fallen in die Zeit kurz vor der längsten Nacht des Jahres. Deshalb heißen sie manchmal auch Dunkelnächte. Die Tage werden immer kürzer, die Natur zieht sich zurück, und genau diese Stimmung nutzt das Ritual: weniger tun, mehr wahrnehmen.
Woher kommt der Name?
„Sperren“ ist hier im Sinne von abschließen oder zusperren gemeint. Einen interessanten Beleg liefert das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm: Dort ist die „Sperrnacht“ für das Unterelsass verzeichnet, als Abend vor Weihnachten, an dem die Spinnräder gesperrt wurden. Der Flachs wurde fertig gesponnen und die Arbeit für die heiligen Tage beendet. Dieses Ruhen der Spinnräder kennt man aus vielen Regionen rund um die Rauhnächte.
Alter Brauch oder neue Idee?
Hier lohnt ein ehrlicher Blick. Die Arbeitsruhe vor Weihnachten und das Abschließen des Jahres sind alt. Die zwölf Sperrnächte als festes Rückblick-Ritual mit einem Monat pro Nacht sind dagegen eine junge Entwicklung. Sie stammen aus modernen Rauhnächte-Büchern und Kursen der letzten Jahre und sind als Gegenstück zu den Rauhnächten gedacht. Das Interesse wächst schnell: Die Suchanfragen nach den Sperrnächten haben sich zuletzt innerhalb eines Jahres vervielfacht.
Für deine Praxis spielt das Alter keine Rolle. Ein strukturierter Jahresrückblick in der ruhigsten Zeit des Jahres tut gut, ob er nun 500 oder 15 Jahre alt ist.
Sperrnächte 2026: Termine und Monate
Nach der verbreitetsten Zählweise beginnen die Sperrnächte am 8. Dezember. Jede Nacht ist einem Monat des zu Ende gehenden Jahres zugeordnet. Die Fragen in der Tabelle sind Vorschläge, die dir den Einstieg erleichtern.
| Sperrnacht | Abend | Rückblick auf | Einstiegsfrage |
|---|---|---|---|
| 1. | Di 8.12.2026 | Januar | Mit welchen Vorsätzen bin ich gestartet, und was ist daraus geworden? |
| 2. | Mi 9.12.2026 | Februar | Was hat mir in der dunklen Jahreszeit Kraft gegeben? |
| 3. | Do 10.12.2026 | März | Was habe ich angefangen, das noch offen ist? |
| 4. | Fr 11.12.2026 | April | Wo habe ich mich verändert, ohne es zu planen? |
| 5. | Sa 12.12.2026 | Mai | Welche Begegnungen waren mir wichtig? |
| 6. | So 13.12.2026 | Juni | Wann habe ich mich richtig wohlgefühlt? |
| 7. | Mo 14.12.2026 | Juli | Wofür bin ich dankbar, das ich fast übersehen hätte? |
| 8. | Di 15.12.2026 | August | Wo habe ich mir zu viel zugemutet? |
| 9. | Mi 16.12.2026 | September | Was ist mir gelungen, worauf bin ich stolz? |
| 10. | Do 17.12.2026 | Oktober | Welchen Konflikt trage ich noch mit mir herum? |
| 11. | Fr 18.12.2026 | November | Was darf ich jetzt loslassen? |
| 12. | Sa 19.12.2026 | Dezember und das ganze Jahr | Wenn ich dieses Jahr in einem Satz zusammenfasse, wie lautet er? |
Andere Zählweisen
Wie bei den Rauhnächten gibt es keine verbindliche Regel. Manche Anleitungen lassen die Sperrnächte erst am 9. Dezember beginnen und bis zur Thomasnacht am 20. Dezember laufen. Andere starten am Luciatag, dem 13. Dezember, und zählen bis Heiligabend. Dann gehen Sperr- und Rauhnächte nahtlos ineinander über. Wähle die Variante, die zu deinem Kalender passt, und bleib dabei.
Die Tage zwischen Sperr- und Rauhnächten
Bei der Zählung ab dem 8. Dezember bleiben bis Heiligabend ein paar Tage frei. Die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember und die Wintersonnenwende am 21. Dezember markieren den Wendepunkt: Ab jetzt werden die Tage wieder länger. Nutze diese Tage als Pause und zur Vorbereitung auf die Rauhnächte, zum Beispiel um deine 13 Wünsche zu schreiben.
Sperrnächte und Rauhnächte: Der Unterschied
Beide Zeiten bestehen aus zwölf Nächten, und beide ordnen jede Nacht einem Monat zu. Der entscheidende Unterschied ist die Blickrichtung:
| Sperrnächte | Rauhnächte | |
|---|---|---|
| Zeitraum 2026/27 | 8. bis 19. Dezember | 24./25. Dezember bis 5./6. Januar |
| Blickrichtung | zurück auf das alte Jahr | nach vorn auf das neue Jahr |
| Jede Nacht steht für | einen vergangenen Monat | einen kommenden Monat |
| Kernfrage | Was schließe ich ab? | Was lade ich ein? |
| Typische Rituale | Rückblick, Loslass-Zettel, Unerledigtes abschließen | 13 Wünsche, Träume notieren, Räuchern |
Du musst nicht beides machen. Wer aber merkt, dass ihm beim Wünsche-Schreiben das alte Jahr dazwischenfunkt, profitiert von den Sperrnächten am meisten. Wie die Rauhnächte im Detail ablaufen, liest du in unserem Ratgeber Rauhnächte 2026/27: Rituale, Ablauf und Meditation.
Anleitung: So gestaltest du einen Sperrnächte-Abend
Der Rückblick gelingt am besten mit einem festen, kurzen Ablauf. 10 bis 15 Minuten reichen:
- Ankommen: Kerze an, Handy auf lautlos, drei tiefe Atemzüge.
- Den Monat zurückholen: Scroll durch die Fotos auf deinem Handy und durch deinen Kalender des jeweiligen Monats. Das ist der einfachste Trick, denn kaum jemand weiß aus dem Kopf, was im März war.
- Drei Fragen notieren: Was war gut? Was hat mich belastet? Was ist noch offen? Dazu die Einstiegsfrage aus der Tabelle.
- Abschließen: Schreib auf einen kleinen Zettel, was du aus diesem Monat loslassen willst. Diese Zettel sammelst du.
- Kurz still werden: Fünf Minuten Rückblick-Meditation (Anleitung weiter unten).
Am Ende der zwölf Abende hast du einen vollständigen Jahresrückblick auf Papier. Viele sind überrascht, wie viel in einem Jahr passiert ist, an das sie sich im Dezember gar nicht mehr erinnert hätten.
- 📄 Rauhnächte Workbook*, PDF zum Ausdrucken mit Fragen und Übungen für alle zwölf Rauhnächte
- 📖 Rauhnächte: 12 Tage nur für dich*, das Buch der Psychologin Tanja Köhler zum Klarheit schaffen und Loslassen
Rituale für die Sperrnächte
Loslass-Zettel verbrennen
Die Zettel, die du an jedem Abend schreibst, kannst du am Ende der Sperrnächte gemeinsam verbrennen, zum Beispiel in der Thomasnacht oder am Abend der Wintersonnenwende. Lies sie vorher noch einmal durch und entscheide bewusst: Das bleibt im alten Jahr. Verbrenne die Zettel nur in einer feuerfesten Schale, gern draußen auf Balkon oder Terrasse.
Wichtig ist der Unterschied zum bekannten Wünsche-Ritual: In den Sperrnächten verbrennst du, was du loswerden willst. In den Rauhnächten verbrennst du Wünsche, die du abgibst. Wie das funktioniert, erklärt unsere Anleitung zum 13-Wünsche-Ritual.
Unerledigtes wirklich abschließen
„Sperren“ heißt abschließen, und das darf ganz praktisch sein. Erledige pro Abend eine Kleinigkeit, die dich schon lange begleitet: die überfällige Antwort auf eine Nachricht, das geliehene Buch zurückgeben, einen Stapel Papier sortieren. Das passt zum alten Brauch, vor den heiligen Tagen die Arbeit zu beenden, und befreit spürbar den Kopf.
Räuchern mit Beifuß
Wer räuchern möchte, braucht in den Sperrnächten nichts Aufwendiges. Ein Räucherstövchen mit Sieb über einem Teelicht reicht. Leg eine kleine Prise Beifuß auf das Sieb und lass ihn langsam verglimmen. Das ist sanfter als Räucherkohle, raucht weniger und eignet sich gut für kleine Wohnungen. Stell das Stövchen auf eine hitzefeste Unterlage, lass es nie unbeaufsichtigt und lüfte danach. Mehr zu Kräutern und Methoden findest du in unserem Ratgeber Rauhnächte räuchern.
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Rückblick-Meditation in fünf Minuten
Setz dich bequem hin, schließ die Augen und atme ein paar Mal ruhig ein und aus. Lass dann den Monat des Abends wie einen Film vor deinem inneren Auge ablaufen, ohne zu bewerten. Bleib bei den Bildern, die von selbst auftauchen. Wenn ein schwerer Moment kommt, atme bewusst aus und sag dir innerlich: Das darf jetzt im alten Jahr bleiben. Zum Schluss spürst du kurz deinen Atem und öffnest die Augen.
Wenn dir das Meditieren noch fremd ist, helfen dir unsere Mini-Meditationen für den Alltag beim Einstieg. War das Jahr sehr belastend, lies auch unseren Beitrag zur Meditation in Lebenskrisen.
Dankbarkeit festhalten
Ein Rückblick kippt schnell ins Grübeln. Schreib deshalb an jedem Abend mindestens einen Punkt auf, für den du in diesem Monat dankbar bist. Am Ende hast du zwölf Dankbarkeitsmomente, die du in die Rauhnächte mitnimmst.
4 Tipps für deine ersten Sperrnächte
- Nicht nachholen wollen: Wenn du einen Abend verpasst, fasse am nächsten zwei Monate zusammen. Kein Druck.
- Ehrlich, aber freundlich: Es geht ums Abschließen, nicht ums Abrechnen mit dir selbst.
- Kurz halten: Lieber zwölf Abende à zehn Minuten als drei Abende à einer Stunde.
- Schwere Themen nicht allein tragen: Wenn der Rückblick etwas aufwühlt, das dich länger belastet, sprich mit einem vertrauten Menschen oder hol dir professionelle Unterstützung.
Nach den Sperrnächten: Der Übergang in die Rauhnächte
Mit der Wintersonnenwende ist der Rückblick abgeschlossen. Die Tage bis Heiligabend sind ideal, um den Blick zu drehen: Lies deinen Jahresrückblick noch einmal und überlege, was du im neuen Jahr wirklich willst. Daraus entstehen fast von selbst deine 13 Wünsche für die Rauhnächte. Wenn du ein Journal für die Rauhnächte suchst, findest du eine Auswahl in unserer Übersicht der besten Rauhnächte-Bücher und Journals.
Häufige Fragen zu den Sperrnächten
Wann sind die Sperrnächte 2026?
Nach der verbreitetsten Zählweise vom 8. bis 19. Dezember 2026. Je nach Anleitung enden sie auch am 20. oder 21. Dezember, eine weitere Variante zählt vom 13. bis 24. Dezember.
Was macht man in den Sperrnächten?
Man blickt an jedem Abend auf einen Monat des vergangenen Jahres zurück, notiert, was gut war und was man loslassen möchte, und schließt Unerledigtes ab. Beliebt sind dazu Loslass-Zettel, Räuchern und eine kurze Meditation.
Was ist der Unterschied zwischen Sperrnächten und Rauhnächten?
Die Sperrnächte liegen vor Weihnachten und schauen zurück auf das alte Jahr. Die Rauhnächte beginnen an Heiligabend und schauen nach vorn auf das neue Jahr.
Warum heißen sie Sperrnächte?
„Sperren“ bedeutet hier abschließen. Das Grimmsche Wörterbuch verzeichnet die „Sperrnacht“ für das Unterelsass als Abend vor Weihnachten, an dem die Spinnräder gesperrt wurden.
Gibt es Verbote in den Sperrnächten?
Feste Verbote gibt es nicht. Manche übertragen Regeln aus den Rauhnächten, etwa keine Wäsche aufzuhängen. Das ist Volksglaube und keine Pflicht.
Muss ich Sperrnächte und Rauhnächte beide machen?
Nein. Beide Rituale funktionieren für sich. Zusammen ergeben sie aber einen runden Jahreswechsel: erst abschließen, dann neu ausrichten.
Weiterlesen
Unsere Rauhnächte-Serie
Den Wörterbucheintrag zur „Sperrnacht“ findest du im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm beim DWDS. Hintergründe zu den Rauhnächten und den Lostagen „zwischen den Jahren“ bietet wissen.de.